Schönbergs Pierrot lunaire
MUSIKGESCHICHTE
Sprechgesang, atonales Melodram und vokale Moderne: gesprochene Intonation vom gesunden lyrischen Gesang unterscheiden mit der Methode von Adeline Toniutti.
Quelle Jean Mislin · Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter · Lehrer von Adeline Toniutti Im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti
Was ist Schönbergs Pierrot lunaire?
Pierrot lunaire (1912) ist das berühmteste Werk der Phase freier Atonalität von Arnold Schönberg (1874-1951). Einundzwanzig Gedichte von Albert Giraud in der deutschen Übertragung von Otto Erich Hartleben werden für Stimme und kleines Ensemble vertont. Berühmt durch den Sprechgesang, bindet der Zyklus Musik und Text, ohne feste Tonhöhen zu verlangen: ein Labor der Moderne für Sängerinnen und Sänger im Cluster Musikgeschichte.
Entstehung: Albertine Zehme und das Café-Theater
Schönberg komponiert Pierrot lunaire für Albertine Zehme, eine Schauspielerin der Berliner Café-Theater, die avantgardistische Gedichte rezitiert. Die Besetzung folgt dem Ensemble des Café-Theaters Überbrettl, wo der Komponist dirigierte: ein intimer Rahmen, fern vom postromantischen Großorchester.
Die Stücke sind sehr kurz, eine Reaktion auf die Postromantik. Der Zyklus steht im Weg Schönbergs nach dem tonalen Bruch von 1908, neben der Zweiten Wiener Schule (Berg, Webern) und dem Rahmen des 20. Jahrhunderts.
Besetzung, alte Formen und Atonalität
Typische Besetzung: Klavier, Flöte (und Piccolo), Klarinette (und Bassklarinette), Violine (und Viola), Violoncello. Die Instrumente spielen selten alle zusammen; der Satz bleibt oft kammermusikalisch, klar und scharf. Zur Strukturierung der atonalen Sprache nutzt Schönberg alte Techniken, teils komplex: Passacaglia, doppelter Krebs-Kanon und weitere überlieferte Formen.
Das Werk ist atonal, mit einer Ausnahme: im letzten Stück erinnert eine tonale Passage an die Vergangenheit. Ein E-Dur-Akkord erklingt zum Text vom «alten Duft der Märchenzeit». Dieser tonale Blitz unterstreicht im Kontrast die Moderne des übrigen Zyklus.
Sprechgesang: Intonation, keine feste Tonhöhe
Der Sprechgesang zielt auf eine engere Bindung von Musik und Text. Er ist gewissermaßen der Versuch, die natürlichen Intonationen der Tragöden zu kodifizieren. Man soll keine festen Tonhöhen erwarten, sondern die Angaben des Komponisten als allgemeine Intonationen lesen.
Für. ausgebildete Sängerinnen und Sänger ist die Aufgabe klar: keinen starren lyrischen Gesang auf «gesprochene» Noten kleben und keinen theatralischen Schrei erzwingen. Sprechgesang erkundet die Zone zwischen gesprochenem und Gesang, mit Diktion, Rhythmus und Loslassen. Siehe auch die.
Chronologische Orientierung
- 1874: Geburt Arnold Schönbergs in Wien.
- 1900: Schönberg dirigiert am Buntes Theater (Berlin).
- 1908: Wendung zur freien Atonalität.
- 1912: Komposition und Uraufführung von Pierrot lunaire für Albertine Zehme.
- 1923: Formalisierung der Zwölftontechnik (nach der freien Atonalität).
- 1925: Uraufführung von Bergs Wozzeck, Erbe derselben Schule.
- 1951: Tod Schönbergs in Los Angeles.
FAQ zu Schönbergs Pierrot lunaire
Wann wurde Pierrot lunaire komponiert?
1912, im Zentrum von Schönbergs freier Atonalität, vor der Zwölftonmethode (um 1923).
Was ist Sprechgesang?
Ein gesprochener Gesang, in dem notierte Tonhöhen allgemeine Intonationen sind, inspiriert von Tragöden, um Musik und Text enger zu verbinden.
Für wen schrieb Schönberg den Zyklus?
Für die Schauspielerin Albertine Zehme, vertraut mit Berliner Café-Theatern und avantgardistischer Rezitation.
Ist das Werk durchgehend atonal?
Ja, abgesehen von einer tonalen Erinnerung im letzten Stück (E-Dur-Akkord).
Wozu bildet es heutige Sängerinnen und Sänger aus?
Par une lecture attentive de la partition, une intonation sûre et un phrasé au service du texte et de la dramaturgie.
Quellen und Zitate
Zitate und Zuschreibungen aus den Musikgeschichts-Notizen von Jean Mislin (keine vollständige Bibliografie).
- Jean Mislin: Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter, Lehrer von Adeline Toniutti. Notizen im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti.
- Arnold Schönberg: Pierrot lunaire (1912); Sprechgesang; Kammerbesetzung; Passacaglia und doppelter Krebs-Kanon; tonale Ausnahme (E-Dur) am Zyklusende.
- Albert Giraud / Otto Erich Hartleben: Quellengedichte und deutsche Übertragung für Albertine Zehme.
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