Hohe Töne singen

STIMMKLINIK

Die Methode von Adeline Toniutti, um hohe Töne wiederholbar und sicher zu treffen. Kehlkopfbewegung, aktive Ausatmung, Vorstellungskraft: die vier Schlüsselpunkte und ihre Übungen.

Hohe Töne sicher treffen

„Seine hohen Töne zu finden heißt, seinen Umfang durch eine größere Stimmlänge zu erweitern." So definiert Adeline Toniutti diese Geste in ihrer Methode Anatomie des Gesangs.

Als hohe Töne gelten die Töne oberhalb der zweiten Passage. Männern fällt es häufig schwer, möglichst lange in der Bruststimme zu bleiben.

Diese hohen Töne wiederholbar und sicher zu erzielen, ist in erster Linie das Ergebnis der Anwendung der Angelpunkte. Auch bestimmte Gedankenbilder und körperliche Empfindungen können dabei helfen. Der erste Schritt besteht darin, die Vorstellungskraft zu programmieren. Man kann einer Sängerin oder einem Sänger zuhören, die oder der diese Töne sicher ausführt, sie mental einprägen und diese Ausführung dann im eigenen Körper abrufen.

Die Gleichung

Hier sind die Schlüsselpunkte, die zu befolgen sind, um hohe Töne zu treffen. Alles beginnt mit einer Gleichung, die man im Kopf behalten sollte:

Kehlkopfbewegung + Beherrschung der aktiven Ausatmung durch die Muskulatur + Vorstellungskraft = hoher Ton

Adeline Toniutti, Anatomie des Gesangs, S. 127.

Diese Gleichung entfaltet sich in vier Schlüsselpunkte, die der Reihe nach zu befolgen sind.

1. Den Kehlkopf kippen und dabei stützen

Die charakteristische Kehlkopfbewegung zeigt sich als „Kehlkopfkippung": Man muss sich vorstellen, dass der Kehlkopf steigt und dabei die Halswirbel entlang streicht, wie zu Beginn einer Rolle vorwärts, auf dynamische Weise, unter Einsatz der Bauchmuskulatur.

Legen Sie die Hände an den Hals und spüren Sie die Bewegung.

2. Den Ton in einem anderen Register suchen

Man kann den Ton zunächst in der Kopfstimme singen, um sich der richtigen Frequenz zu vergewissern, und anschließend mehr Bauchstütze hinzufügen (den äußeren schrägen Bauchmuskel nach außen öffnen).

Wenn Sie den Ton in einem anderen Mechanismus oder einem anderen Register finden, ist das ein hervorragender Orientierungspunkt.

Hinweis

Bei Männern lässt sich der Ton manchmal zuerst in der gesättigten Stimme finden, bevor er in Belting oder in die lyrische Bruststimme wechselt. Es kann eine legitime Etappe auf dem Weg zum hohen Ton sein.

3. Rippen und Bauchmuskeln im Blick behalten

Im Moment des hohen Tons lösen die meisten Menschen den Rippendruck, sodass sich die schwebenden Rippen wieder öffnen. Indem sie auf dem Ton loslassen, verringern sie den Druck, der zur Realisierung des hohen Tons nötig ist.

Wenn Sie sich der richtigen Kehlkopfbewegung sicher sind, halten Sie den Druck.

Man kann den Kehlkopf mit dem Lenkrad eines Autos vergleichen, und die Rippen und die schrägen Bauchmuskeln mit dem Gaspedal.

4. Sich über jeden gelungenen hohen Ton freuen

Ein gelungener hoher Ton markiert ein tatsächlich sichtbares Ergebnis in der Technik eines Sängers. Wenn es also funktioniert, kosten Sie es aus.

In der Praxis: die hohen Töne

Ziel: die Ausführung hoher Töne trainieren.

Ein hoher Ton ist gesund, wenn Sie ihn auf jede Art und Weise angehen können: von unten, staccato oder legato, mit Beweglichkeit, in jeder Dynamik, in jedem Register.

Vokalisen, die in der Methode dem hohen Ton gewidmet sind (siehe Anatomie des Gesangs, S. 128):

  • Oktavsprünge legato, um zu prüfen, ob der Kehlkopf beweglich bleibt.
  • Triller mit Oktavsprüngen legato.
  • Staccato-Arpeggio.
  • Angriff auf den hohen Ton und Triller.

Die Einatmung: der „Gesangs-Everest-Kurs"

Vor einem hohen Ton, der wie ein unüberwindbarer Berg wirkt, übertreibt man die Einatmung, als würde ein riesiges Luftreservoir uns davor bewahren, „vom Berg zu fallen". Im Fernsehen spricht man intern vom „Gesangs-Everest-Kurs".

Ich habe festgestellt: wenn man Sängerinnen und Sänger bittet, sehr wenig einzuatmen, zweimal, sehr schnell, als würden sie an einer Blume riechen, finden sie die richtige Bewegung und das korrekte Empfinden für die Platzierung viel schneller.

Und beim Abstieg in die Mittellage?

Man erlebt oft ein Absacken des Kehlkopfs, das die Mittellage unscharf wirken lässt. Adeline rät besonders ihren Opernsängern, die Zungenspitze leicht zu straffen, um das beim Abwärtsintervall zu vermeiden.

Und wenn die Vokale sich verformen?

Wenn man hohe Töne singt, können die Vokale sich verformen. Die Verständlichkeit des Vokals nimmt in der Höhe etwas ab. Ein akustisches Phänomen, kein Technikfehler.

Diese Übung ist unter Beachtung der fünf Angelpunkte auszuführen. Bei einer Stimmbandpathologie konsultieren Sie bitte zuerst Ihren Facharzt.

Überprüfen, ob der Ton korrekt produziert wurde

Drei einfache Kriterien, um festzustellen, ob ein hoher Ton technisch gesund ist:

  1. Der Ton wird von anderen als schön empfunden.
  2. Der Ton wirkt für Sie weiterhin fein, außer Sie sind stark verstärkt.
  3. Sie spüren kein Unbehagen und keinen Schmerz nach dem Üben des hohen Tons.

Beachten Sie: wenn man eine ungeeignete Geste durch eine gesunde ersetzt, spricht man von Ermüdung der peripheren Muskulatur, doch das sollte mit einer Fachperson geklärt werden.

Versuchen Sie nicht, sich zu hören

Ihre Ohren schützen Sie!

Wenn man einen lauten Ton singt, ist der wichtigste Mechanismus ein Reflex namens Stapediusreflex, der das Innenohr vor Schall sehr hoher Intensität schützt, meist vor hohen Tönen.

Man nimmt an, dass sein Sinn der Schutz vor der eigenen Stimme ist, da in der Natur Geräusche sehr hoher Intensität nur ausnahmsweise vorkommen.

Die 5 Angelpunkte der Gesangsmethode von Adeline Toniutti

Adeline Toniutti, Begründerin der Adeline-Toniutti-Gesangsmethode, entwickelt in Zusammenarbeit mit 26 Stimm- und Körperspezialisten.

DIE METHODE

Die 5 Angelpunkte

Das anatomisch-physiologische Rezept, das die für das Singen nötigen körperlichen Orientierungspunkte liefert und jedem gelungenen hohen Ton zugrunde liegt.

1

Die Haltung pflegen

Die körperliche Grundlage schaffen, die eine optimale Stimmproduktion trägt.

2

Die richtige Kehlkopfbewegung auslösen

Die präzisen Kehlkopfmechanismen des Singens verstehen und aktivieren, einschließlich der Kippung für den hohen Ton.

3

Die Ausatmung optimieren

Die Atemführung beherrschen, um den Ton zu tragen: Lenkrad, aber auch Gaspedal.

4

Den Klang zum Schwingen bringen

Die natürlichen Resonanzräume des Körpers für Projektion und Klangfarbe freisetzen.

5

Vokale und Konsonanten artikulieren

Klare Diktion bei gleichbleibender Stimmqualität, auch wenn sich die Vokale in der Höhe verformen.