Alban Bergs Wozzeck

MUSIKGESCHICHTE

Expressionistische Oper: Sprechgesang, extreme Tessituren und moderne Dramaturgie für zeitgenössische Sängerinnen und Sänger.

Quelle Jean Mislin · Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter · Lehrer von Adeline Toniutti Im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti

Was ist Bergs Wozzeck?

Wozzeck ist die expressionistische Oper von Alban Berg (1885-1935) nach dem Drama Georg Büchners (1813-1837). Berg entdeckte das Stück 1914 im Theater; die Komposition fällt vor allem in die Jahre 1917-1922 (manchmal auch 1918-1921 datiert). Uraufführung in Berlin 1925 nach etwa 137 Proben: neben Debussys Pelléas et Mélisande das große lyrische Ereignis des frühen 20. Jahrhunderts. Überwiegend atonale Sprache, Wagnersches Leitmotiv, alte Formen pro Szene: ein Labor für heutige Sängerinnen und Sänger.

Büchner, der Kriminalfall und der Antiheld

Georg Büchner, Naturwissenschaftler, politischer Revolutionär und Theatermann, stützt sich auf einen realen deutschen Fall, der Aufsehen erregte: erstmals berief sich die Verteidigung auf verminderte Schuldfähigkeit wegen mutmaßlicher Geistesstörung. Wozzeck ist ein schwacher Soldat unter despotischer Autorität (Hauptmann, Doktor), betrogen von Marie, geschlagen vom Tambourmajor; er ersticht Marie in einem Anfall von Wahnsinn und ertrinkt eher zufällig als willentlich.

Arme und Schwache erleiden das Elend der bürgerlichen Gesellschaft. Wozzeck ist der Antiheld schlechthin. Aus Büchners 23 Szenen formt Berg das Drama in drei Akte zu je fünf Szenen. Als Wagner-Erbe nutzt er das Leitmotiv; das berühmteste bleibt « wir arme Leut ».

Personen und Stimmlagen

Stark typisierte Besetzung, wichtig für Casting und Tessiturarbeit:

  • Wozzeck, Soldat: Bariton
  • Tambourmajor: lyrischer oder starker Tenor
  • Hauptmann: Buffo-Tenor
  • Doktor: Buffo-Bass
  • Andres, Soldat: leichter Tenor
  • Der Narr: Tenor
  • Marie: Sopran oder dramatischer Sopran
  • Margret, Nachbarin: Alt
  • kleine Rollen (darunter ein Kind), Chor

Hauptmann und Doktor verkörpern die Gesellschaft; der Tambourmajor ist der eitle Verführer Maries. Für. ausgebildete Stimmen verlangen Buffo-Karikatur, Sprechgesang und extreme Dynamik Klarheit, stabile und ohne Kehlzwang.

Handlung in drei Akten

Schauplatz ist eine kleine deutsche Garnisonsstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. I. Akt: Der Hauptmann lässt sich von Wozzeck rasieren und tadelt ihn wegen des unehelichen Kindes; Wozzeck und Andres schneiden Weidenstöcke, Wozzeck hat Halluzinationen; Marie betrachtet den Tambourmajor, streitet mit Margret, wiegt das Kind; der Doktor berauscht sich an eigenen Reden; Marie gibt dem Tambourmajor nach.

II. Akt: Marie bewundert geschenkte Ohrringe; Wozzecks Eifersucht; Hauptmann und Doktor verspotten ihn; Eifersuchtsszene; im Wirtshaus tanzt Marie mit dem Tambourmajor, der Narr riecht Blut; in der Wachstube schlägt der Tambourmajor Wozzeck. III. Akt: Marie liest die Bibel, Reue; am Teich ersticht Wozzeck sie; im Wirtshaus sieht Margret Blut; Wozzeck holt das Messer, versinkt und ertrinkt; Maries Kind spielt weiter, ohne den Tod der Mutter zu begreifen.

Musikalische Sprache: Atonalität, Formen und Orchester

Die Oper ist weitgehend atonal geschrieben, doch Berg schließt traditionelle Tonalität nicht aus, wenn die Handlung es erlaubt. Jede Szene hat einen klaren Schreibtyp: I. Akt (Suite-Formen: Suite, Rhapsodie, Militärmarsch, Passacaglia, Rondo); II. Akt (fünf Sinfoniesätze); III. Akt (Folge von Inventionen). Das Orchester ist stark besetzt, mit ungewöhnlich großer Schlagzeuggruppe; die Sängerbegleitung bleibt oft kammermusikalisch, das Tutti den Zwischenspielen vorbehalten.

Berg (seit 1904 Schüler Schönbergs, mit Webern) verkörpert mit ihnen den Expressionismus der Zweiten Wiener Schule. Er verbindet Zwölftontechnik und Nachromantik: Ausdruck steht im Vordergrund. Siehe den Rahmen des 20. Jahrhunderts und den Hub Musikgeschichte.

Chronologische Orientierung

  • 1813-1837: Leben Georg Büchners; Drama Woyzeck.
  • 1885: Geburt Alban Bergs in Wien.
  • 1904: Berg wird Schüler Schönbergs (mit Webern).
  • 1913: Skandal der 5 Altenberg-Lieder mit Orchester.
  • 1914: Berg entdeckt Wozzeck im Theater.
  • 1917-1922: Komposition der Oper (auch: 1918-1921).
  • 1925: Uraufführung in Berlin nach ~137 Proben; Welterfolg.
  • 1935: Violinkonzert « dem Andenken eines Engels »; Tod Bergs am 24. Dezember.

FAQ zu Bergs Wozzeck

Wann wurde Wozzeck uraufgeführt?

1925 in Berlin, nach etwa 137 Proben; Welterfolg trotz heftiger Reaktionen von Publikum und Kritik.

Auf welchen Text schrieb Berg die Oper?

Auf Georg Büchners Drama (1813-1837) nach einem realen Kriminalfall; Berg formt 23 Szenen zu 3 Akten mit je 5 Szenen.

Ist Wozzeck durchgehend atonal?

Die Sprache ist überwiegend atonal, doch Berg lässt Tonalität zu, wenn das Drama es gestattet; jede Szene hat eine klare Form.

Welche Hauptrollen und Stimmlagen gibt es?

Wozzeck (Bariton), Marie (Sopran oder dramatischer Sopran), Tambourmajor (Tenor), Hauptmann (Buffo-Tenor), Doktor (Buffo-Bass), Andres, der Narr, Margret (Alt).

Wie bildet das Werk heutige Stimmen?

Es verlangt feine Intonation, Ausdauer, Diktion, Sprechgesang und moderne Dramaturgie ohne Zwang: ein Labor des vokalen Expressionismus.

Quellen und Zitate

Zitate und Zuschreibungen aus den Musikgeschichts-Notizen von Jean Mislin (keine vollständige Bibliografie).

  • Jean Mislin: Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter, Lehrer von Adeline Toniutti. Notizen im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti.
  • Georg Büchner: Quelldrama; realer Fall; Sozialkritik; 23 von Berg umgeordnete Szenen.
  • Hans Stückenschmidt: Zitat zur unmittelbaren Wirkung von Bergs Musik auch auf den « naiven » Hörer (zu Wozzeck).

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