Arnold Schönberg: Atonalität und Zwölftontechnik
MUSIKGESCHICHTE
Von Wien nach Los Angeles: tonale Zäsur, Zwölftonreihe, Pierrot lunaire und Sprechgesang für Sängerinnen und Sänger.
Quelle Jean Mislin · Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter · Lehrer von Adeline Toniutti Im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti
Was ist Schönbergs Zwölftontechnik?
Die Zwölftontechnik Schönbergs (Dodekaphonie) ist eine Kompositionsmethode auf der Basis einer Reihe von zwölf Tönen, die nur zueinander in Beziehung stehen, ohne tonale Hierarchie. Arnold Schönberg (1874-1951) bricht 1908 mit dem tonalen System und formalisiert um 1923 eine Technik, die so streng ist wie die alte Harmonik. Für Sängerinnen und Sänger erhellt dieser Rahmen Pierrot lunaire, den Sprechgesang und die Zweite Wiener Schule.
Biografie: von Wien nach Los Angeles
In Wien geboren und weitgehend Autodidakt, spielt Schönberg Geige und Kammermusik. Frühe Werke zeigen Brahms und vor allem Wagner. Erst 1897 studiert er Kontrapunkt bei Alexander von Zemlinsky, seinem späteren Schwager. 1900 leitet er das Buntes Theater, ein literarisches Kabarett in Berlin; beeindruckt von den Gurreliedern, verschafft ihm Richard Strauss den Liszt-Preis und eine Klasse am Sternschen Konservatorium.
Ab 1904 sammeln sich Berg und Webern um ihn. Er schreibt 1910-11 seine Harmonielehre, wird in die österreichische Armee eingezogen, lässt sich 1918 in Mödling nieder und folgt 1925 Busoni an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Vor Hitlers Machtübernahme entlassen, reist er über Paris, kehrt aus Solidarität zum Judentum zurück und lässt sich 1934 in Los Angeles nieder (Professor 1936). 1946 erkrankt, stirbt er 1951. Siehe den Rahmen des 20. Jahrhunderts.
Freie Atonalität (1908-1923) und Zwölftonmethode
Nach wagnerischen Frühwerken geht Schönberg ab 1908 den Weg der Atonalität im Zweiten Streichquartett mit Stimme (letzte zwei Sätze): die Schranken einer Ästhetik der Vergangenheit sind gebrochen. Totale Freiheit statt traditioneller Regeln. 1912 markiert Pierrot lunaire einen Meilenstein: Sprechgesang und alte Formen (Lied, Walzer, Barkarole, Fuge, Passacaglia) in atonaler Sprache.
Bis 1923 komponiert er wenig und erarbeitet eine neue Technik. Im Walzer der Fünf Klavierstücke op. 23 wendet er das Zwölftonsystem an. Von den Schülern begeistert aufgenommen, wurde die Technik oft als künstlich abgelehnt, weil sie die Resonanzgesetze ignoriere. Ab 1924 folgen Berg und Webern: die Kluft zwischen Wien und anderen Musikmetropolen wächst.
Prinzipien der Reihenmusik
Im tonalen System erzeugt eine strenge Hierarchie der Stufen das Tonempfinden. Mit der 12-Ton-Reihe setzt Schönberg strenge Gleichheit der zwölf chromatischen Töne. Die Reihe ist eine vom Komponisten geordnete Folge; kein Ton wird wiederholt, bevor die anderen erschienen sind. Vorzeichen trennen keine enharmonischen Töne (B = Ais); die Oktave gilt als derselbe Ton.
Die Grundgestalt erzeugt Krebs, Umkehrung und Krebsumkehrung. Transponierbar auf die übrigen elf Stufen ergeben sich 48 melodische Möglichkeiten. Dann folgen Rhythmus, Kontrapunkt und Akkorde aus der Reihe. Berg lockert die Technik (Violinkonzert teilweise auf Dreiklängen); Webern verschärft sie (Konzert op. 24 in vier Dreiton-Zellen). Nach 1950 dehnt sich die Reihe auf Dauern, Dynamik und Klangfarbe aus (Boulez).
Pierrot lunaire, Sprechgesang und Stimmhygiene
Pierrot lunaire (1912), das berühmteste Werk der freien Atonalität, vertont 21 Gedichte Albert Girauds in deutscher Übertragung für die Schauspielerin Albertine Zehme. Kabarett-Besetzung (Klavier, Flöte/Piccolo, Klarinette/Bassklarinette, Geige/Bratsche, Cello). Schönberg kodifiziert den Sprechgesang: notierte Höhen sind allgemeine Intonationen, keine fixen Töne zum «Festnageln».
In der geht es weder um forciertes Theatersprechen noch um starres Belcanto, sondern um die Erkundung der Zone Sprechen/Singen mit Präzision, Diktion und Kehlfreiheit. Am CALYP verbindet Adeline Toniutti dieses Repertoire mit einem dauerhaften Gestus. Siehe auch Bergs Wozzeck.
Schlüsselwerke und Zeittafel
- 1874: Geburt in Wien.
- 1900-11: Gurrelieder.
- 1908: atonale Wende (Zweites Quartett).
- 1909-13: Erwartung; Die glückliche Hand.
- 1911: Sechs kleine Klavierstücke op. 19; Harmonielehre.
- 1912: Pierrot lunaire.
- 1921-23: Suite für Klavier op. 25; Formalisierung der Zwölftontechnik (Walzer op. 23).
- 1928: Variationen für Orchester op. 31.
- 1930-32: Moses und Aron.
- 1934-36: Los Angeles; Violinkonzert (1936).
- 1942-47: Klavierkonzert; Ode to Napoleon; A Survivor from Warsaw.
- 1951: Tod in Los Angeles.
FAQ zu Schönberg und der Zwölftontechnik
Was ist Zwölftontechnik in einem Satz?
Eine Methode, in der die zwölf chromatischen Töne gleich sind, als Reihe geordnet und transformiert werden (Krebs, Umkehrung), ohne dominantes tonales Zentrum.
Wann wechselt Schönberg zur Atonalität und zur Reihe?
Atonalität ab 1908 (Zweites Quartett); Formalisierung der Zwölftontechnik um 1923 (Walzer op. 23).
Was ist Sprechgesang in Pierrot lunaire?
Kodifizierter Sprechgesang: notierte Höhen als allgemeine Intonationen, keine fixen Töne zum Erzwingen.
Wer sind Schönbergs wichtigste Schüler?
Alban Berg und Anton Webern, mit ihm die Zweite Wiener Schule; Berg lockert die Reihe, Webern verschärft sie.
Warum betrifft das heutige Sängerinnen und Sänger?
Feine Intonation, Sprechgesang und moderne Dramaturgie verlangen einen gesunden Gestus: Arbeitsfeld. mit Adeline Toniutti.
Quellen und Zitate
Zitate und Zuschreibungen aus den Musikgeschichts-Notizen von Jean Mislin (keine vollständige Bibliografie).
- Jean Mislin: Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter, Lehrer von Adeline Toniutti. Notizen im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti.
- Arnold Schönberg: Biografie 1874-1951; Atonalität 1908; Dodekaphonie 1923; Reihenprinzipien.
- Pierrot lunaire (1912): Sprechgesang, Kabarett-Besetzung, 21 Gedichte nach Giraud.
- Berg und Webern: Schüler ab 1904; Flexibilität vs. Strenge; Erbe nach 1950.
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