Béla Bartók
MUSIKGESCHICHTE
Volksmodi und Rhythmus: das Ohr des Sängers über das klassische Tonsystem hinaus weiten, im CALYP-Cluster Musikgeschichte.
Quelle Jean Mislin · Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter · Lehrer von Adeline Toniutti Im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti
Bartók-Biografie: wesentliche Orientierung
Béla Bartók (Nagyszentmiklós, 1881 - New York, 26. September 1945) war ungarischer Komponist, Pianist und Ethnomusikologe. An der Königlichen Akademie Budapest ausgebildet, verband er Komposition und Volksliedsammlung mit Zoltán Kodály. Im Überblick der Musikgeschichte weiten seine Volksmodi und sein Rhythmus das Ohr des Sängers über das klassische Dur-Moll-System hinaus.
Jugend, Budapest und doppelte Berufung
1881 in Nagyszentmiklós (heute Rumänien) geboren, verbringt Bartók seine ersten sieben Jahre im Dorf, wo der Vater die Landwirtschaftsschule leitet. Fragile Gesundheit, Neigung zur Isolation. Nach dem Tod des Vaters (1888) erzieht die Mutter, eine Lehrerin, Béla und Elza. Ab 1893 Gymnasium in Pozsony und Harmonielehre bei László Erkel: von Bach bis Brahms.
1899 Königliche Akademie Budapest: Klavier bei Thoman, Komposition bei Koessler. 1902 motiviert Richard Strauss' Also sprach Zarathustra zum Komponieren. Das Leben teilt sich in Komposition und ethnomusikologische Forschung. 1907 Klavierprofessor, Ehe mit Márta Ziegler. Echter Ruhm 1923 mit der Tanzsuite. Nach der Trennung Ehe mit Ditta Pásztory. 1934 verlässt er die Lehre, um zu komponieren und zu konzertieren. 1940 Emigration nach New York, schwere materielle Not; Tod am 26. September 1945.
Ethnomusikologie und Volksmodi
Ab 1905 verbringt Bartók Monate bei Bauern in entlegenen Dörfern mit einem primitivem Aufnahmegerät. Er nimmt auf, notiert und publiziert ungarische Volksmusik: echte ethnomusikologische Arbeit, mit Kodály auf Bulgarien und Rumänien ausgeweitet. Er unterscheidet klar Zigeunermusik und vor Ort gesammelte Bauernmusik.
Diese Musik befreit ihn von der Dur-Moll-Hegemonie: modale Skalen, neue harmonische Kombinationen, freier Chromatismus bei bestätigtem tonalem Pol («atonale Volksmusik erscheint mir undenkbar»). Rhythmische Vielfalt (bulgarische binär-ternäre Mischungen, Achtel als Grundpuls), Tempofluktuationen, neue Melodien im Geist der Folklore ohne wörtliches Zitat. Für den Sänger: modales Gehör und rhythmische Präzision jenseits rein klassischer Schemata, im Dialog mit dem 20. Jahrhundert und Strawinsky.
Stil: Dualitäten, motorischer Rhythmus und Achsen
Bartók lässt Gegensätze koexistieren. Dualität Chromatik-Diatonik: westliche Einflüsse (Liszt, Strauss) zur Chromatik; Bauernmusik als anderer Weg. Chromatische Motive oft kurz und kreisförmig (1. Satz der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta); diatonische Motive geradlinig, Ausdruck der Entspannung (3. Satz der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug). Synthese Harmonie-Kontrapunkt, Kunst-Volksmusik, Ost-West.
Der Rhythmus ist stark geprägt: motorischer Rhythmus, «primitiver» Antrieb gemeinsam mit Strawinsky, Honegger und Prokofjew; gehämmertes, skandiertes Schreiben vom Typ Allegro barbaro; unregelmäßige Metren. Nach Ernő Lendvai erweitern sich tonale Funktionen über Quintenzirkel in einem System austauschbarer Achsen; Goldener Schnitt und Fibonacci strukturieren viele Proportionen. Ganzheitliches Temperament, Ablehnung von Kompromissen auch in der Not der letzten Jahre: «das Reich der Dissonanzen ist meines».
Chronologie und Schlüsselwerke
- 1881: Geburt in Nagyszentmiklós; 1899: Akademie Budapest.
- 1903: Kossuth; 1905+: Volkssammlungen mit Kodály.
- 1908-1915: Für Kinder; Rumänische Volkstänze (1915).
- 1911-1919: Herzog Blaubarts Burg; Der holzgeschnitzte Prinz; Der wunderbare Mandarin.
- 1923-1939: Tanzsuite; sechs Streichquartette; Mikrokosmos (1926-1937); Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (1936); Divertimento (1939).
- 1940-1945: New York; Konzert für Orchester (1943); unvollendetes 3. Klavierkonzert und Bratschenkonzert; Tod am 26. September 1945.
Pädagogisches Klavier: Mikrokosmos (sechs Bände), Für Kinder. Bühne: lyrisches Drama, choreographisches Gedicht, Pantomime. Siehe auch Wozzeck zum Musiktheater des 20. Jahrhunderts.
FAQ zu Béla Bartók
Wann wurde Bartók geboren und wann starb er?
Bartók wurde 1881 in Nagyszentmiklós (heute Rumänien) geboren und starb am 26. September 1945 in New York.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Bartók und der Folklore?
Ab 1905 sammelte er mit Kodály ungarische, bulgarische und rumänische Bauernlieder; dieses Material befreite seine Harmonie von traditionellem Dur und Moll bei bleibendem tonalem Pol.
Welche sind Bartóks Hauptwerke?
Unter anderem: sechs Quartette, Mikrokosmos, Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, Konzert für Orchester, Blaubart, Der wunderbare Mandarin.
War Bartók atonal?
Nicht im Sinne der Zweiten Wiener Schule: Er lehnte atonale Volksmusik ab und behielt erweiterte tonale Pole (Achsen, Modi), auch in stark dissonanter Sprache.
Warum ist Bartók für Sängerinnen und Sänger wichtig?
Quellen und Zitate
Zitate und Zuschreibungen aus den Musikgeschichts-Notizen von Jean Mislin (keine vollständige Bibliografie).
- Jean Mislin: Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter, Lehrer von Adeline Toniutti. Notizen im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti.
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