Joseph Haydn
MUSIKGESCHICHTE
Biografie, Sinfonien und Oratorien Haydns: Linienklarheit, klassische Form und Chorsatz, Grundlage des klassischen Stils für CALYP-Solisten.
Quelle Jean Mislin · Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter · Lehrer von Adeline Toniutti Im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti
Haydn-Biografie: das Wesentliche
Joseph Haydn (1732-1809) ist eine zentrale Figur des Wiener Klassizismus. Man nennt ihn manchmal, etwas übertrieben, den Vater der Sinfonie: Das Genre wurde bereits gepflegt, doch er verfeinert es mit bleibendem Genie. Mit Händel steht er auch in der ersten Reihe des Oratoriums im 18. Jahrhundert, vor allem mit Die Schöpfung (1798) und Die Jahreszeiten (1801). Für CALYP-Solisten verkörpert er Linienklarheit, formales Gleichgewicht und klassischen Chorsatz.
Sinfonien: von der Suche zu klassischen Modellen
Zwischen 1759 und 1769 tastet Haydn das Genre ab: oft drei Sätze, noch kleines Orchester, manchmal ein literarisches Programm (Nr. 6, 7 und 8, Der Morgen, Der Mittag, Der Abend). Ab der Nr. 31 schreibt er in vier Sätzen, erweitert den Apparat und nutzt die Sonatenform. Zwischen 1770 und 1772 multipliziert eine kurze «romantische» Krise unter dem Sturm und Drang die Molltonarten: Nr. 45 Abschiedssinfonie (fis-Moll), Nr. 44 Trauer (e-Moll). Es erscheinen die langsame Einleitung vor dem Allegro (Erbe der französischen Ouvertüre) und im zweiten Satz Thema und Variationen.
Nach 1772 verblasst dieser dramatische Geschmack (Nr. 53 Kaiserliche in D, Nr. 55 Der Schulmeister). Haydn lässt das Genre zeitweise für Oper und Kirchenmusik liegen und kehrt dann stark zurück: sechs Pariser Sinfonien (1785-1786, Nr. 82-87, von Mozart beeinflusst) und zwölf Londoner Sinfonien (1791-1795, Nr. 93-104). Sie werden zu Modellen der klassischen Sinfonie. Die Oxford-Sinfonie, gespielt als Haydn den doctor honoris causa erhielt, zeigt die Reife: langsame Einleitung, Allegro in Sonatenform, Menuett und Finale, orchestrale Klarheit des klassischen Stils.
Oratorien: Die Schöpfung (1798) und Die Jahreszeiten (1801)
Nach dem Tod des Fürsten Esterházy, für den er etwa dreißig Jahre das Musikleben geleitet hatte, reiste Haydn 1791 auf Einladung Salomons nach London. Dort hörte er Händels Oratorien mit hervorragenden Chören. Beeindruckt brachte er den Plan mit, selbst in diesem Genre zu schreiben. Baron van Swieten, Mäzen auch von Mozart und Beethoven, lieferte einen Text aus der Genesis und Miltons Paradise Lost. Nach drei Jahren Arbeit wurde Die Schöpfung 1798 mit riesigem Erfolg uraufgeführt.
Haydn betonte die Schwierigkeit des Vorhabens: erst in der Mitte des Oratoriums konnte er sagen, es gelinge; täglich kniete er, um Kraft zur Vollendung zu erbitten. Der Erfolg beendete die Vorherrschaft von Grauns berühmtem Tod Jesu. Wie bei Händel steht das Werk in drei Teilen: (1) die ersten vier Tage nach dem Chaos (Licht, Tag und Nacht, Meer und Land, Vegetation, Gestirne); (2) Tiere, dann Mann und Frau; (3) Epilog über das Glück von Adam und Eva vor der Natur. Die Engel Gabriel (Sopran), Uriel (Tenor) und Raphael (Bass) erzählen die Schöpfung; Adam und Eva erscheinen am Ende des zweiten Teils. Wie in der Zauberflöte treten freimaurerische Motive auf (Gott als großer Baumeister, Gegensatz Finsternis/Licht, die Zahl 3). Die Jahreszeiten (1801) krönen diesen Höhepunkt des klassischen Oratoriums.
Klassischer Stil für Solisten: Linie, Chor, Klarheit
Haydns Stil bietet Sängerinnen und Sängern präzises Trainingsgelände: klar gezeichnete Phrasen, saubere Artikulation, Gleichgewichte zwischen Solisten und Chor im Oratorium sowie Texttreue ohne romantische Überladung. Linienklarheit bereitet den mozartschen klassischen Belcanto vor: weniger expressiver Überschwang als nach 1800, mehr formale Genauigkeit und gemessenes Atemmaß.
An Haydn zu arbeiten heißt auch, den Chor als Figur zu hören (händelsches Erbe in der Schöpfung) und das Tempo in Viersatzanlagen stabil zu halten. Bei CALYP verbinden sich diese Orientierungspunkte mit der Pädagogik von Adeline Toniutti: Haltung, Atem, Register und Stimmgesundheit, damit klassischer Stil Praxis bleibt und nicht nur eine Etikette.
Chronologie und Schlüsselwerke
- 1732: Geburt Joseph Haydns.
- 1759-1769: sinfonische Suche (oft 3 Sätze; Morgen, Mittag, Abend).
- 1770-1772: Sturm-und-Drang-Phase (Nr. 44 Trauer, Nr. 45 Abschied).
- 1785-1786: sechs Pariser Sinfonien (Nr. 82-87).
- 1791-1795: London-Reisen; zwölf Londoner Sinfonien (Nr. 93-104).
- 1798: Die Schöpfung (Oratorium in drei Teilen).
- 1801: Die Jahreszeiten.
- 1809: Tod Haydns.
Modelle der klassischen Sinfonie und Meisterwerke des Oratoriums am Ende des 18. Jahrhunderts.
FAQ zu Haydn
Wann wurde Joseph Haydn geboren und wann starb er?
Haydn wurde 1732 geboren und starb 1809. Er verkörpert den Wiener Klassizismus neben Mozart und vor Beethoven.
Warum nennt man ihn den Vater der Sinfonie?
Das Genre existierte bereits, doch Haydn verfeinerte es: vier Sätze, Sonatenform, größeres Orchester und die großen Pariser und Londoner Zyklen als Modelle.
Welche sind seine großen Oratorien?
Die Schöpfung (1798) und Die Jahreszeiten (1801), nach dem Hören von Händel in London entworfen, mit sofortigem und bleibendem Erfolg.
Wovon erzählt Die Schöpfung?
In drei Teilen folgt das Werk den Schöpfungstagen (Genesis und Milton), mit den Engeln Gabriel, Uriel und Raphael, dann Adam und Eva.
Warum zählt Haydn für Sängerinnen und Sänger?
Weil er Linienklarheit, klassische Phrasierung und den Chorsatz des Oratoriums festigt, die Basis des bei CALYP erarbeiteten klassischen Stils.
Quellen und Zitate
Zitate und Zuschreibungen aus den Musikgeschichts-Notizen von Jean Mislin (keine vollständige Bibliografie).
- Jean Mislin: Musikwissenschaftler, Organist und Chorleiter, Lehrer von Adeline Toniutti. Notizen im Rahmen der Forschung von Adeline Toniutti.
- Notizen zur klassischen Sinfonie: Haydn verfeinert ein bereits geübtes Genre; man nennt ihn etwas übertrieben den Vater der Sinfonie.
- Haydn über Die Schöpfung: erst in der Mitte des Oratoriums konnte er sagen, es gelinge; nie war er so inbrünstig wie bei dieser Arbeit.
- Oratoriums-Notizen (18. Jh.): nach der Englandreise und dem Hören Händels konzipiert Haydn Die Schöpfung (1798) und Die Jahreszeiten (1801).
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